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In Berlin wachsen Leberwürste auf Bäumen!

Streifzüge durch das renovierte Tropenhaus des Botanischen Gartens Berlin.

Eine Glosse von Maik Hager (Berlin, 21.10.2009)

Eigentlich sollte ich an den Entwürfen für mehrere Unterrichtseinheiten für Geschichte, Ethik und PW sitzen, aber das Wetter war gestern Vormittag einfach zu schön um zu arbeiten.

Zusammen mit meiner Frau ging es deshalb nach langer Zeit mal wieder in den Botanischen Garten nach Berlin-Dahlem, um das wiedereröffnete Tropenhaus zu besichtigen. Schon vor seiner grundlegenden Sanierung (2006-2009) war der Bau aus Stahl und Acrylglasglas (seit 1968) eines der beeindruckendsten Gebäude der Hauptstadt - Reichstagskuppel hin, Sony-Center her.

Das Tropenhaus ist nunmehr 102 Jahre alt und gehört mit seinen Nebenhäusern zu den größten und ältesten botanischen Schatzkammern der Welt. Der weitläufige Botanische Garten und das (leider in der breiten Öffentlichkeit nicht so bekannte) Botanische Museum gehören zur Freien Universität Berlin. Mit seinem riesigen Pflanzenbestand dient die 43 ha umfassende Gesamtanlage mit seinen verschiedenen Gartenabteilungen sowohl Forschungs- als auch Artenschutzzwecken.
 



Pieter Brueghel d. Ä., Das Schlaraffenland, 1567, Alte Pinakothek München.
 

Man könnte den Botanischen Garten sicherlich 1000 Mal besuchen und hätte dennoch nicht alles gesehen - jedenfalls geht es mir als Fachunkundigem  so. Auch der letzte Besuch brachte mich wieder zum Staunen. Da steht doch mitten im renovierten Tropenhaus ein Leberwurstbaum. Wie jetzt? Seit wann wachsen den Leberwürste auf Bäumen? Das müsste ich als leidenschaftlicher Leberwurstesser auf jeden Fall wissen. Und dann hat auch noch die Berliner Fleischer-Innung die Patenschaft für dieses kuriose Gewächs übernommen. Ich ahne da ein genetisches Experiment - Skandal! - Fleischskandal!

Doch halt - für den Namen dieser afrikanischen Pflanze (lat. Kigelia africana, engl. sausage tree) muss es eine einleuchtende Erklärung geben:

"Leberwürsten nicht unähnlich, hängen sie [die Früchte des LWB, Anmerk. Hager] an langen Stielen herab und erreichen eine Größe von 30-50 cm." Das nenne ich mal eine Leberwurst. Doch anscheinend dienen die Früchte des Baumes den Menschen in erster Linie nicht als Nahrungsmittel, sie sind im unreifen Zustand sogar giftig. Dennoch werden Extrakte aus der Leberwurstfrucht und verschiedenen anderen Teilen der Pflanze als Heilmittel eingesetzt. Als Geschmackszusatz werden die gerösteten Früchte sogar für afrikanisches Bier verwendet: Zum Wohl!

Bei Elefanten scheint die "Wurst" auch recht beliebt zu sein, was den Umgang mit den Früchten nicht ganz unproblematisch macht.

Wie zu lesen ist, gilt der Standort eines Leberwurstbaum als schlechte Wahl für einen Übernachtungsplatz. Der Absturz der bis zu 9 kg schweren Früchte kann schmerzhaft bis tödlich sein (Vorsicht im Zeitraum von Dezember bis Juni). Wenn man außerdem nicht unsanft von einem 4 m hohen und 5 t schweren Loxodonta africana (lat. - afrikanischer Krummzahn, d. h. Elefanten) zerquetscht werden will, sollte man sich einen andere Schlafstelle suchen.
 



Frucht des Leberwurstbaumes, wikipedia. de
 

Doch die Menschen können die Leberwurstfrucht noch zu anderen - nicht unbedingt medizinischen - Zwecken nutzen. Als Schutz gegen Wirbelstürme werden die Früchte in Teilen Malawis (Südostafrika) in Häusern aufgehängt. Das wäre dann sozusagen der Leberwurstwinkel. Die Pflanzenwelt ist wirklich erstaunlich.

Wenn Sie also demnächst einmal einen Spaziergang durch die historischen Gewächshäuser des Botanischen Gartens machen und zufällig auf den Leberwurstbaum stoßen (gleich am Haupteingang des Tropenhauses) dann nehmen sie sich vor Elefanten in Acht und fragen Sie mal einen Gärtner nach einer Versicherung gegen Sturmschäden. Viel Vergnügen mit der Geschichte.
 

Literaturhinweise:

Großes Tropenhaus, Onlineinformationen des BGBM Berlin

Infoblatt: Leberwurstbaum (BHBM Berlin)

Pitta Joffe, s. v. Kigelia africana (Lam.) Benth. in: www.plantzafrica.com, 2003 (englisch, © South African National Biodiversity Institute)

Charles Quest-Ritson, Gärten in Deutschland. Ein Reiseführer zu den schönsten Gartenanlagen, übers. v. Wolfgang Hensel, Basel, Bosten Berlin 1999.

Berliner Fleischer werden Paten vom Leberwurstbaum im Botanischen Garten, in: Welt Online, 16.02.2005.

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