Karl Liebknecht,
Photopostkarte 1919-1925; DHM, Berlin.

Karl Paul Friedrich August Liebknecht

Eine Kurzbiographie von Maik Hager

Karl Paul Friedrich August Liebknecht, Rechtsanwalt und Politiker, wurde am 13. August 1871 in Leipzig geboren. Er war der zweite Sohn Wilhelm Liebknechts (1826-1900) und dessen Frau Natalie Reh. Karls Vater gehörte zu den bedeutendsten Vertretern der 1869 in Eisenach gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), die 1875 den Hauptbestandteil der Sozialistischen Arbeiterpartei, der späteren SPD, stellte. Auch Karls Mutter kam aus einer Familie mit starken politischen Hintergrund, denn ihr Vater, Carl Reh, war Mitglied des Frankfurter Parlaments von 1848 und hatte zeitweilig sogar die Funktion des Vizepräsidenten innegehabt. Über seine „politische Familie“ bemerkte Liebknecht im Jahre 1910: „Ich bin ja sozusagen im Parteileben aufgewachsen.“ (Trotnow, 1980, S 17).

Von 1890 bis 1893 studierte Karl Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in Leipzig und Berlin und schloss seine Ausbildung zunächst mit dem Referendarexamen ab, um seine Militärdienstpflicht als Einjähriger-Freiwilliger bei den Garde-Pionieren abzuleisten. Nach dem Militärdienst ermöglichte der ehemalige preußische Kultusminister Falk (1827-1900) Karl in Arnsberg und Paderborn eine Tätigkeit als Referendar. Auf Drängen seines Vaters promovierte Liebknecht am 30. September 1897 mit dem Prädikat magna cum laude zum Dr. jur. et rer. pol. an der Fakultät der Universität Würzburg. Am 5. April 1899 bestand Liebknecht die Assessorenprüfung mit „gut“. Mit seinem älteren Bruder Theodor eröffnete er sodann eine Rechtsanwaltskanzlei in Berlin.

Das Jahr 1900 hatte in dreifacher Weise besondere Bedeutung für Karl. Im Mai heiratete er seine erste Frau Julia Paradies (1873-1911), Tochter des Bankiers und Kaufmanns Louis Paradies. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Als am 7. August sein Vater Wilhelm starb, übernahm Karl die Regelungen der Trauerfeierlichkeiten und vertrat die Familie nach außen hin. Sich der Verantwortung der Nachfolge seines Vaters bewusst, trat Karl noch im August offiziell in die SPD ein.

Bereits im November 1901 wurde er in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, der er bis 1913 angehörte. Einen Namen als „sozialdemokratischer Rechtsanwalt" (Trotnow, 1980, S. 56ff.) machte er sich durch sein Auftreten als Verteidiger im sog. Königsberger Prozess (1904) gegen neun deutsche Sozialdemokraten, die wegen Unterstützung der russischen Arbeiterbewegung angeklagt waren. 1903 und 1907 kandidierte er im Reichstagswahlkreis Potsdam-Spandau-Oberhavelland („Kaiserwahlkreis“) zunächst ohne Erfolg, konnte diesen jedoch 1912 für die SPD gewinnen.

Zusammen mit Ludwig Frank und Hendrik de Man begründete Liebknecht 1907 die sozialistische Jugendinternationale, deren Präsident er bis 1910 war. Seine 1907 veröffentlichte Schrift „Militarismus und Antimilitarismus unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung“ brachte Liebknecht von Oktober 1907 bis Juni 1909 Festungshaft in Glatz ein. Während dieser Zeit wurde er zusammen mit sechs weiteren Sozialdemokraten ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Dort widmete er sich besonders der Bekämpfung des Preußischen Dreiklassen-Wahlrechts (Rede im Preußischen Landtag „Gegen die Privilegienherrschaft“ vom 16.03.1910).

Nach dem Tod seiner ersten Frau, die an Lungenentzündung starb, heiratete Karl im Oktober 1912 die aus einer jüdischen Familie in Russland stammende hochgebildete Sophie Ryss.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs versuchte Liebknecht vergeblich, die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten für eine Ablehnung der Kriegskredite zu gewinnen. Nachdem er in der Fraktion gegen die Kredite gestimmte hatte, unterwarf er sich der Parteidisziplin und stimmte am 4. August 1914 im Reichstag für die Bewilligung. Bei einer weiteren Abstimmung im Reichstag am 2. Dezember 1914 stimmte Liebknecht als einziger Abgeordneter gegen die Bewilligung weiterer Kriegskredite und wurde somit zur Symbolfigur der Kriegsgegner.

In wesentlichen Fragen zählte er nun zusammen mit Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Julian Marchlewski zum linken Flügel der SPD.

Im Februar 1915 wurde Liebknecht als Armierungssoldat zum Militärdienst eingezogen, bis auf sein Auftreten im Reichstag und Preußischen Abgeordnetenhaus war ihm damit jede politische Betätigung untersagt. Dennoch war er aktiv an der Bildung der Gruppe „Internationale“, die seit 1916 als „Spartakusbund“ bekannt wurde, beteiligt. Liebknecht organisierte zum 01. Mai 1916 eine Friedensdemonstration auf dem Potsdamer Platz in Berlin und wurde dort verhaftet. Schließlich zu einer neunundvierzigmonatigen Zuchthausstrafe verurteilt, wurde er vorzeitig, am 23. Oktober 1918, entlassen.

Am 9. November 1918 rief er vom Balkon des Berliner Stadtschlosses die „freie sozialistische Republik“ aus. Er war jedoch nicht bereit in die Revolutionsregierung einzutreten und versuchte die Massen für eine Räteherrschaft zu mobilisieren. Zusammen mit Rosa Luxemburg gründete er am 30. Dezember 1918 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD).

Während der Januar-Kämpfe 1919 in Berlin erklärte Liebknecht die Regierung Ebert für abgesetzt. Nach den Unruhen wurde er zusammen mit Rosa Luxemburg von Soldaten der Garde-Kavellerie-Schützendivision festgenommen, gefoltert und schließlich am 15. Januar erschossen. Während Luxemburgs Leiche in den Landwehrkanal geworfen wurde und erst Monate später geborgen wurde, wurde Liebknechts Körper als "unbekannte Leiche" der Polizei übergeben.

zum Autor

Maik Hager (Jahrgang 1977) hat an der TU Berlin Geschichte und Philosophie (Lehramt) bei Prof. Dr. Schulz-Hageleit und Prof. Dr. Gil studiert. In der wissenschaftlichen Hausarbeit zum Ersten Staatsexamen hat er sich mit dem Ackergesetz des Tiberius Gracchus beschäftigt. Im Rahmen der schriftlichen Prüfungsarbeit für das Zweite Staatsexamen hat er mit Schülern einer 9. Klasse eine Führung durch den Ausstellungsteil Erster Weltkrieg des DHM konzipiert.
Inzwischen ist er Lehrer für Geschichte, Sozialkunde, Politikwissenschaft, Geographie, Ethik und Philosophie an der Königin-Luise-Stiftung in Berlin und Herausgeber der Online-Magazine Geschichte-erforschen.de und Philosophie-erforschen.de.

Literaturhinweise

Flechtheim, Ossip K.: Karl Liebklnecht zur Einführung, Hamburg 1986.

Trotnow, H.: Karl Liebknecht. Eine politische Biographie, Köln 1980.

Weber, H.: s. v. Liebknecht, in: Neue Deutsche Biographie, 14. Band, Berlin 1985, S. 505-506.

Links:

Texte von Karl Liebknecht im Marxists' Internet Archive (marxists.org)

Erich Mühsam - Karl Liebknecht – Rosa Luxemburg ermordet am 15. Januar 1919 (Requiem)

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